Postapokalypsen-Feeling: 6 verlassene Orte in Deutschland

Verlassene Orte

„Geschichte lebt“ klingt nach abgegriffener Museumspädagogik. Doch an diesen mystischen Orten in Deutschland kannst Du unsere Vergangenheit tatsächlich hautnah erleben. Bereit für eine kleine Zeitreise? Dann werde zum Urban Explorer!

1. KdF-Seebad Prora

Ort: Prora, Rügen

Frühere Funktion: Der riesige Komplex wurde von den Nazis als Erholungsheim für die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) errichtet. Er sollte 20.000 Urlaubern Platz bieten und war eines der architektonischen Prestigeprojekte des Regimes. Die Grundsteinlegung erfolgte deshalb auch an einem öffentlichkeitswirksamen Termin, dem dritten Jahrestag der Gewerkschaftszerschlagung am 2. Mai 1936. Obwohl die Idee von „Ferien für alle“ äußerst sozial klingt, barg der Monumentalbau noch einen deutlich weniger menschlichen Aspekt: Zu Kriegszeiten sollte er als Lazarett dienen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Rügen einer der wichtigsten Außenposten des dritten Reichs vor der polnischen Grenze war. Letztendlich wurde die Anlage in Prora jedoch nie fertiggestellt. Nach Kriegsende nahm die Rote Armee sie in Beschlag, nach der Wende sogar die Bundeswehr, die das einstige KdF-Heim aber 1992 aufgab.

Das gibt es heute zu sehen: Der „Koloss von Prora“ erstreckt sich auf etwa 2,5 Kilometern Länge zwischen Sassnitz und Binz. Wanderst Du entlang der monströsen Anlage, wirst Du das Gefühl der Monotonie und Seelenlosigkeit des Ortes spüren, mit der die Erbauer jeden Hauch von Individualität im Keim erstickten. Teile des Areals wurden mittlerweile in moderne Apartments umgewandelt, andere sind im teils unvollendeten Urzustand erhalten. Im Block 3 befindet sich zudem ein Museum für Lokalgeschichte und Kunst.

In this place, the Prora KdF-Complex on the coast of the Rügen Island on the Baltic Sea, the Nazi regime was supposed to provide vacation housing for up to 20.000 people simultaneously as part of the Kraft durch Freude (Force through Happiness) strategy and campaign. Today most of the houses in this 5km long complex are abandoned, like the one on the picture. | #Prora #diewocheaufinstagram #Mecklenburgvorpommern #mvtutgut

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2. Schlosshotel Waldlust

Ort: Freudenstadt, Schwarzwald

Frühere Funktion: Früher verkehrten Hollywoodstars und der internationale Hochadel in der Nobelherberge, die 1920 ihre Pforten öffnete. So statteten König Gustav V. von Schweden sowie die damaligen Stummfilm-Promis Douglas Fairbanks und Mary Pickford dem Schlosshotel Waldlust einen Besuch ab. Kein Wunder, denn das edle Jugendstilambiete des Hauses erlangte in kürzester Zeit weltweite Anerkennung. Doch dieser Erfolg hielt nicht ewig an. Nachdem das Gebäude im Zweiten Weltkrieg als Lazarett genutzt worden war, kam die Hotelinhaberin darin 1949 zu Tode. Gewaltsam, heißt es. Anschließend fand das Waldlust nie zum Ruhm vergangener Tage zurück. Und spuken soll es dort seit dem Todesfall auch noch. Das mittlerweile abgehalfterte Hotel schloss 2005.

Das gibt es heute zu sehen: Das Echo eines goldenen Zeitalters spiegelt sich in edlen Möbeln, Wandbehängen und Einrichtungsgegenständen, die von der Patina eines ganzen Jahrhunderts überzogen sind.

#lostplaces #waldlust

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3. Spreepark

Ort: Treptow-Köpenick, Berlin

Frühere Funktion: 1969 stand für DDR-Bürger eine kleine Sensation an: Als erster und einziger fest installierter Vergnügungspark des kommunistischen Satellitenstaates wurde der Kulturpark Plänterwald eröffnet. Natürlich mit vielen Fahnen und unter Abgesang sozialistischer Lieder. Fortan strömten bis zu 1,7 Millionen Besucher jährlich zu der Attraktion, die eine Fläche von 29,5 Hektar einnahm. Riesenrad, Achterbahn, Verkaufsstände – die Menschen liebten diese bunte Abwechslung vom oft recht tristen Alltag. Als die Mauer schließlich gefallen war, wurde aus der Anlage der Spreepark Berlin. Dieser konnte jedoch mit Konkurrenzkalibern der Marken Disneyland und Europapark nicht mithalten, trotz neuer Fahrgeschäfte und Umgestaltung. Die Eintrittsgelder blieben aus. Seit 2002 liegt der einstige Unterhaltungspark brach.

Das gibt es heute zu sehen: Alte Fahrgeschäfte mit Ostcharme, überwuchert mit Pflanzen und gezeichnet vom Zahn der Zeit.

Spreepark attempt 2. 🎡🎢 aka one of the few pictures before the guard went after us. 🚧

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4. Haus Empel

Ort: Rees, Kreis Kleve

Frühere Funktion: Urkundlich das erste Mal 1240 erwähnt, war Haus Empel zunächst im Besitz des Namensgebers der heutigen Ortschaft, Bernard von Rees. In den folgenden rund 75 Jahren wurde das mittelalterliche Herrschaftshaus zu einer trutzhaften Ritterburg samt Kapelle ausgebaut, mit der sich fortan zahlreiche Adelsfamilien als Stammsitz schmückten. Im Laufe der Jahrhunderte flossen darüber hinaus andere architektonische Baustile ein und machten Haus Empel zu einem kleinen stilistischen Schatzkästchen. Die letzten Blaublüter, die die Anlage bewohnten, waren ab 1830 die Mitglieder der Familie von Weiler. Unter ihrer Führung wurde das Anwesen jedoch schon nicht mehr als landtagsfähiges Rittergut geführt. Dies bedeutet, dass die Inhaber nicht mehr das Recht hatten, in eigener Person im Landtag zu erscheinen. 1945 wurde Haus Empel bei einem Angriff auf Rees fast völlig zerstört.

Das gibt es heute zu sehen: Die Türme und Tore der Backsteinruine erzählen die bewegte Geschichte eines Gebäudes, das über 700 Jahre lang Entscheidungsträger und Adlige der Region beherbergte. Zurecht gilt es deswegen seit 1983 als Boden- und seit 2002 als Baudenkmal.

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5. Beelitz-Heilstätten

Ort: Beelitz, Kreis Potsdam-Mittelmark

Frühere Funktion: Von 1898 bis 1930 waren die Beelitz-Heilstätten der größte Krankenhauskomplex im Berliner Umland. Die Mediziner kümmerten sich vor allem um Arbeiter mit Lungenleiden. Ab 1945 richtete die Sowjetunion dort das größte Militärkrankenhaus im Ausland ein.

Das gibt es heute zu sehen: Ein großflächiges Areal mit Gruselruinen, in denen sich stellenweise Graffitikünstler ausgetobt haben.

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6. Abhörstation Teufelsberg

Ort: Grunewald, Berlin

Frühere Funktion: Auf einem aus Trümmern aufgeschütteten Berg errichtete die US-Armee in den 1950er-Jahren eine gigantische Abhörstation, die Informationen aus der Sowjetunion abfangen sollte. Der Ort war aus zwei Gründen gut gewählt: Zum einen handelte es sich um die zweithöchste Erhebung der Stadt, zum anderen lag der Ort denkbar nah am Feind – auch ideal, um den Luftraum zwischen dem eingekesselten West-Berlin und der Bundesrepublik zu überwachen. Bald schon mischten die britischen Streitkräfte ebenfalls mit, sodass die „Field Station Berlin Teufelsberg“ Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon wurde, das von den USA und den Commonwealth-Staaten betrieben wurde.

Das gibt es heute zu sehen: Von dem skurrilen Gebäude aus hast Du einen fantastischen Blick über weite Teile unserer Hauptstadt und kannst gleichzeitig ein eindrucksvolles Relikt des Kalten Krieges sowie coole Graffitis besichtigen.

Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg hat ein paar Flocken Schnee abbekommen. Foto: dpa/Gateau #Berlin #Teufelsberg #Winter #snow

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